Bietet Design Ansätze zur Reform politischer Praxis? Gibt es Gestaltungsimpulse für Bürgersinn? Kann Design Demokratie beleben? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das Kulturpolitische Forum 2017 unter der Federführung von STADTKULTUR und der Evangelischen Akademie Tutzing. Die Publikation „Politisches Design – Demokratie gestalten“ präsentiert die Beiträge der Tagung.

 

„Sehr viel gestalterischer Aufwand, sehr viel filmisches, musikalisches und symbolisches Know-how fließt bei uns in die Bewerbung von Verbrennungsmotoren“, heißt es im Vorwort von Dr. Christine Fuchs, Leiterin von STADTKULTUR, und Judith Stumptner, stellvertretender Direktorin der Evangelischen Akademie Tutzing. Teure Werbespots, in denen Autos mit der aufgehenden Sonne um die Wette fahren, sind Produkte von Designer*innen. „Doch wer wirbt für das Recht auf Leben, auf saubere Luft und körperliche Unversehrtheit? Für Menschenwürde oder für Gleichheit vor dem Recht?“

Gestaltung ist Haltung

Dass die Werbung für Grundrechte selbstverständlich eine Aufgabe von Design sein muss, wird bei der Lektüre der Publikation deutlich. Denn Design sei mehr als Produktdesign, erklären Henning Horn von der Faber Castell AG und Dr. Silke Claus von der bayern design GmbH in ihren Beiträgen. „Design ist politisch“, ergänzt der Architekt Prof. Dr. Friedrich von Borries, „weil es ökonomische und gesellschaftliche Bedingungen ändern kann.“ Deshalb könne und müsse auch Politik besser gestaltet werden, fordert die Landespolitikerin Margarete Bause in ihrer Rede.

„Gestaltung ist Haltung“, wusste bereits Helmut Schmid, einer der bedeutendsten Typografen des 20. Jahrhunderts, der unter anderem für die Bundesregierung arbeitete. Diese Worte sind wegweisend für die Beiträge der Publikation.

Populismus und Fake News

In Zeiten, in denen demokratische Systeme immer mehr unter Druck geraten, populistische Strömungen Aufwind erfahren und Fake News für Hass und Hetze in der Gesellschaft sorgen, stellt sich die Frage, ob unsere politischen Instrumente und Strukturen noch tauglich sind und wie Demokratie als Gestaltungsprinzip wieder bewusst gemacht und verteidigt werden kann. Dazu kann ein gestalterischer Ansatz einen Beitrag leisten.

Wie dieser aussehen kann, zeigen Prof. Dr. Michael Klemm in seinem Artikel zu den visuellen Inszenierungen von Demokratie und Dr. Martin Beyer in seinem Beitrag über Sprachdesign. Beide weisen jedoch darauf hin, dass die Möglichkeit mit Bildern und Sprache zu gestalten auch missbraucht werden könne. Beispielhaft dafür ist Klemms Analyse eines Werbespots von Donald Trump.

Anregungen für gestaltete Demokratie liefern die Vorträge von Karin Engelhardt über neue digitale Formate in der Coburger Stadtverwaltung, von Dr. Elisabeth Hartung von der PLATFORM über die Gestaltung von neuen demokratischen Räumen und von der Architektin Mikala Holme Samsøe über das Design-Vorbild Dänemark. Abgerundet wird die Dokumentation mit einem Vortrag von Yasser Almaamoun, der das Zentrum für Politische Schönheit vorstellt, das jüngst eine hohe mediale Aufmerksamkeit mit seinen Projekten erzielte.

Design als Teilbereich der Kultur

Warum ist gerade das Design in der Pflicht bei der Gestaltung von Politik? Design als Teilbereich der Kultur ist grundlegend für  Kommunikation, insbesondere für die Sprache der Politik und für die Gestaltung demokratischer Prozesse. Diese kulturellen Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft gilt es zu sichern und zu erhalten. Dabei können Kulturpolitiker*innen ein anderes – ein kulturelles und ästhetisches – Know-how in die gesellschaftspolitischen Debatten einbringen und diese bereichern. „Kulturpolitiker*innen sind also auch beim Thema Demokratie in der Pflicht“, so Dr. Fuchs.

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