pic14.jpgNeuburg, Provinzialbibliothek

horti conclusi: Im internationalen Austausch von Schulen entsteht ein gemeinsames Kunstwerk. Als Symbol für das Zusammenwachsen werden zwei hängende Gärten konzipiert, die an beiden Schulen installiert werden. Jeder Garten besteht aus einer Halbkugel, die zusammengesetzt ein Ganzes ergeben. Beide Gärten wachsen und gedeihen, ähnlich wie die Partnerschaft und verbildlichen das lebendige Zusammenwachsen der Schulen.

 

Städte: Nürnberg, Jerusalem
Künstler: Thomas May
Träger: Grashalminstitut
Schulen: Melanchthon Gymnasium Nürnberg (10, 11), Sieff and Marks School of Jerusalem (10,11)
Zeiträume: 25. bis 27. Feb. 2014, 20. Bis 23. Okt. 2014 (aktuell 2 Durchläufe)

 

Hortus1 klein    Hortus2 klein    Hortus3 klein

 

Die Gärten sind so konzipiert, dass sie über spezielle Öffnungen maximal von 5 Personen gleichzeitig und nur mit dem Kopf betreten werden können. Die beiden Arbeiten entstehen in Zusammenarbeit mit dem Künstler Thomas May und sollen während eines Schüleraustausches in Gemeinschaftsarbeit mit den israelischen und deutschen Schülern gebaut werden. Gleichzeitig sind sie eine Verbindung zum Alt Testamentarischen Vorstellung des Paradieses Schir na-Schirim und dem Mariengarten „hortus conclusus“. Der lebendige Garten repräsentiert den lebendigen Austausch. Der lebendige Garten ist eine wachsende, sich permanent verändernde Installation.

 

Abschlussbericht aus dem Melanchthon Gymnasium Nürnberg und der Sieff and Marks School of Jerusalem:
Im Februar und Oktober 2014 wurde im Rahmen eines das zweiteilige Kunstwerk „Horti Conclusi“ gemeinsam mit Schülern beider Schulen und dem Künstler Thomas May realisiert. Ein Objekt befindet sich in Jerusalem in der Aula der „Sieff and Marks School“, das andere im Lesegarten des Melanchthon Gymnasium Nürnberg. Bereits zu Beginn der Planung des Schüleraustauschs stand fest, dass neben einer historischen Aufarbeitung der israelisch-deutschen Beziehungen ein in die Zukunft gerichteter künstlerischer Teil zum Projekt gehören soll. Thomas May wurde als Berater zum ersten Planungstreffen 2013 nach Jerusalem eingeladen. Während der Erarbeitung des Austauschprogramms stieß seine künstlerische Arbeit mit Gras auf großes Interesse. Die israelischen Lehrer sahen im direkten Umgang mit Natur die Möglichkeit, ihre Schüler mit etwas zu konfrontieren, was in einer Stadt wie Jerusalem nur schwer zu finden ist.

Zurück in Deutschland überarbeiteten daraufhin die deutschen Austauschschüler außerhalb des Unterrichts in Mays Atelier eines seiner Objekte, den „5er Garten“. Es entstand eine nach oben geöffnete Halbkugelform, die innen und außen mit Gras bewachsen ist. Fünf Zugänge an der Seite erlauben es maximal fünf Personen, ihren Kopf hineinzustecken. Innen fühlt und riecht man das Gras, während gleichzeitig mit anderen Personen darüber gesprochen werden kann. Da zwei Halbkugeln einen geschlossenen Körper bilden, wurde beschlossen, ein zweiteiliges Objekt zu bauen, das je zur Hälfte in Jerusalem und in Nürnberg wächst. In der Vorbereitungsphase für das Objekt in Jerusalem wurde der Entwurf nach statischen Gesichtspunkten überarbeitet und eine international verständliche Materialliste angefertigt, um einen reibungslosen Aufbau Ende Februar vorzubereiten. Die Realisierung in Jerusalem dauerte drei Tage. Alle am Austausch beteiligten deutschen Schüler arbeiteten gemeinsam mit israelischen Schülern, außerdem einem palästinensischem Israeli, so wie einem jüdischen Hausmeister, dessen Geburtstag mit dem Tag der Verabschiedung der Nürnberger Rassengesetze zusammenfiel. All diese Dinge führten parallel zum Schweißen, Sägen und Gras montieren zu einem regen Austausch. Nach drei Tagen war das Objekt aufgebaut und das Interesse am neuen Kunstwerk in der Aula so groß, dass der Unterricht für eine spontane Einweihungsfeier unterbrochen wurde.

 

 

Die Erfahrungen aus Israel halfen für die Planung des Objekts am Melanchthon Gymnasium Nürnberg. Wegen Platzproblemen konnte es nicht von oben abgehängt werden, sondern wurde im dafür vorgesehenen Lesegarten um einen Baum gehängt. Ab September trafen sich die Schüler zur Vorbereitung des Grundgerüsts im Atelier von Thomas May. Während der letzten beiden Tage des Gegenbesuchs der israelischen Seite wurde dann gemeinsam das zweite Objekt aufgebaut und am 23.10.2014, eine Stunde vor Rückfahrt der Israelis, offiziell eingeweiht.

 

 

Der Erfolg beider Objekte überstieg alle Erwartungen. Beide Schulen scheinen die Objekte zu lieben. Der gemeinsame Aufbau bot viele Möglichkeiten, neu miteinander ins Gespräch zu kommen. Auf oft spielerische Art und Weise konnten kulturelle Unterschiede innerhalb Israels sowie zwischen Israel und Deutschland thematisiert werden, was gerade den deutschen Schülern half, der eigenen Identität ein Stück bewusster zu werden. Dazu gehörten Themen wie Pünktlichkeit, Umgang mit Verantwortung für das Projekt und für Einander oder die Fähigkeit über Sprachgrenzen hinweg zu kommunizieren. Gleichzeitig ist die Absicht, dem zeitlich begrenzten Moment eines Schüleraustausches etwas langfristig Wachsendes hinzuzufügen, geglückt.

 

Thomas May, 1971, studierte an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg als Meisterschüler, anschließend im Aufbaustudiengang „Kunst im öffentlichen Raum“. Seit 2001 realisiert er Projekte unter anderem in Deutschland, China, Finnland, Israel und Tschechien. 2004 gründete er das „Grashalminstitut“.