In einer gemeinsamen Tagung von STADTKULTUR und der Evangelischen Akademie Tutzing diskutieren vom 8. bis 10. Oktober 2021 internationale Kulturpolitiker*innen, Kulturmanager*innen und Künstler*innen über Geschlechterbilder, institutionelle Strukturen und Rollenverteilung in der Kultur. 

 

 

Die Deutsche UNESCO-Kommission konstatiert in ihrem Konzeptpapier „Kulturpolitik Neu/Gestalten 2020“, wie das Fortbestehen vielfältiger Geschlechterdiskriminierung dazu führt, „dass Gesellschaften vorhandenes Talent nicht voll ausschöpfen – sowohl quantitativ als auch qualitativ – und kulturelle Inhalte und Formen des künstlerischen Ausdrucks weniger vielfältig ausfallen, als sie könnten.“ Daraus folgt die Forderung, Geschlechtergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt weiterhin gezielt zu stärken. Die Tagung an der Evangelischen Akademie in Tutzing will Wege für eine gute Praxis aufzeigen und einen Beitrag zur Vernetzung leisten.

„Good Bye Gender?“ und „How to do it“

Die eröffnenden Vorträge werfen den Blick auf Gleichstellung und Geschlecht aus verschiedenen Perspektiven: Christine M. Merkel, Mitglied des weltweiten UNESCO/EU Expertenpools Cultural Governance, spricht über Gendergerechtigkeit in der internationalen Kulturpolitik; Dr. Birgit Bosold, Mitglied im Vorstand des Schwulen Museums Berlin, stellt ihren Beitrag unter die Frage: „Good Bye Gender?“; und die neue Leitung der Münchner Kammerspiele, Intendantin Barbara Mundel und Chefdramaturgin Viola Hasselberg, beschäftigt sich mit der Diskussion um Gleichstellung und Geschlecht aus der Generationenperspektive.

Weitere Schwerpunkte des Programms sind ein Vortrag von Prof. Dr. Birgit Mandel, Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft, zum Einfluss von Geschlecht, Generation und institutioneller Kultur auf die Führung von Kulturbetrieben; eine Podiumsdiskussion mit Frauen in der Kulturpolitik, für die neben Rednerinnen aus Ungarn und Schweden u.a. die Nürnberger Kulturbürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner gewonnen werden konnte; sowie „Cultural Policy Labs“, bei denen die Tagungsgäste dazu eingeladen sind, in Kleingruppen eigene Handlungsstrategien zu entwickeln. Auch für das kulturelle Programm ist gesorgt: Das Beispiel einer Ausnahmekünstlerin aus dem frühen 20. Jahrhundert zeigt der Film „Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint“. Die Tagung richtet sich an alle, die in Kulturpolitik, Kulturvermittlung und Kulturwirtschaft tätig sind sowie an alle Interessierten. 

Die Tagung findet in Zusammenarbeit mit der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. und der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V. vom 8. bis 10.10.2021 in der Evangelischen Akademie Tutzing, Schlossstraße 2+4, 82327 Tutzing statt. Anmeldung über die Homepage oder Frau Rita Niedermaier (08158/251 128, niedermaier(at)ev-akademie-tutzing.de).

Hintergrund

Frauen und Männer sind in der Kultur sehr unterschiedlich präsent: Während Künstler den Kunstmarkt dominieren, arbeiten Künstlerinnen überwiegend in der kulturellen Bildung. Die Chefetagen der Institutionen, die Medien und Jurys sind meist männlich besetzt, während weibliche Kulturschaffende als organisierende Kräfte hinter den Kulissen arbeiten. Die traditionelle Rollenverteilung hält sich in der Kultur zäh und beständig – trotz Anti-Diskriminierungsgesetzen und Geschlechterdiversität. Auch bei der Nutzung von Fördergeldern geht es bei weitem nicht paritätisch zu. Deutlich ist zudem der Gender Pay Gap: Publizistinnen, Künstlerinnen und Frauen in den Creative Industries verdienen im Durchschnitt 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, wie die Studie „Frauen in Kultur und Medien" des Deutschen Kulturrats 2016 ermittelte.

Der Kultur- und Kreativsektor ist von einer Gleichberechtigung noch immer weit entfernt. Corona hat dieses Ungleichgewicht noch verstärkt. Vorwiegend Frauen waren durch Kita- und Schulschließungen belastet und wurden zurück in alte Rollenmuster gedrängt. Wo liegen die Ursachen hierfür? In Geschlechterbildern, die sich auch im Kunst- und Kulturverständnis fortsetzen? Welche Rolle spielen die Strukturen unserer Kulturinstitutionen? Welche das Management?

Auf der anderen Seite können gerade künstlerische Ausdrucksformen Stereotype anprangern und Sensibilität für Geschlechterfragen stärken. Wie wird dieses Potenzial genutzt und wie wirkt es auf den Kulturbetrieb zurück?

Um Geschlechtergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt zu stärken, so die Unesco in ihrem Konzeptpapier „Kulturpolitik Neu/Gestalten 2020", gilt es, „von einer Agenda des reinen Empowerments zu einer Agenda des tatsächlichen Wandels, also der Transformation, überzugehen". Wie kommen wir in der Kulturbranche zum trans-formativen Handeln? Welche Veränderungen sind nötig, um eine größere Sichtbarkeit der weiblichen Arbeit und gleichen Zugang im Kulturbereich herzustellen? Wie ist die aktuelle Lage, international und in der EU? Was lässt sich von anderen Ländern lernen?

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