In einer Webtalk-Reihe diskutieren von Januar bis Juni 2022 einmal monatlich internationale Kulturpolitiker*innen, Kulturmanager*innen und Künstler*innen über Geschlechterbilder, institutionelle Strukturen und Rollenverteilung in der Kultur. Der Auftakt findet am 12. Januar 2022, 15.30-17.30 Uhr per Zoom statt. 

 

Gendergerechtigkeit ist eine kulturelle Aufgabe. Die geplanten Webtalks wollen die kulturpolitischen Dimensionen diskutieren, Wege für eine gute Praxis aufzeigen und einen Beitrag zur Vernetzung leisten. Bei der Auftaktveranstaltung spricht Christine M. Merkel, Mitglied des weltweiten UNESCO/EU Expertenpools Cultural Governance, über Gendergerechtigkeit in der internationalen Kulturpolitik, stellt Beispiele aus der Praxis vor und wirft einen Blick auf die nächsten Ziele. Ein zweiter eröffnender Vortrag von Dr. Birgit Bosold, Mitglied im Vorstand des Schwulen Museums Berlin, stellt die Frage: „Good Bye Gender?“ und gibt Einblicke in die Praxis des Schwulen Museums Berlin. Anschließend besteht die Möglichkeit zur Diskussion in Kleingruppen und im Plenum.

Der Auftakt findet am 12. Januar 2022, 15.30-17.30 Uhr statt. Die Veranstaltungen richten sich an alle, die in Kulturpolitik, Kulturvermittlung und Kulturwirtschaft tätig sind, sowie an alle Interessierten. Die Webtalks sind kostenlos. Die Reihe ist eine Gemeinschaftsveranstaltung von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V. und der Evangelischen Akademie Tutzing in Zusammenarbeit mit dem Cultural Policy Lab der LMU München und der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.

Geschlechtergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt stärken

Frauen und Männer sind in der Kultur sehr unterschiedlich präsent: Während Künstler den Kunstmarkt dominieren, arbeiten Künstlerinnen überwiegend in der kulturellen Bildung. Die Chefetagen der Institutionen, die Medien und Jurys sind meist männlich besetzt, während weibliche Kulturschaffende als organisierende Kräfte hinter den Kulissen arbeiten. Die traditionelle Rollenverteilung hält sich in der Kultur zäh und beständig – trotz Anti-Diskriminierungsgesetzen und Geschlechterdiversität. Auch bei der Nutzung von Fördergeldern geht es bei weitem nicht paritätisch zu. Deutlich ist zudem der Gender Pay Gap: Publizistinnen, Künstlerinnen und Frauen in den Creative Industries verdienen im Durchschnitt 24 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, wie die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ des Deutschen Kulturrats 2016 ermittelte.

Der Kultur- und Kreativsektor ist von einer Gleichberechtigung noch immer weit entfernt. Corona hat dieses Ungleichgewicht verstärkt. Vorwiegend Frauen waren durch Kita- und Schulschließungen belastet und wurden zurück in alte Rollenmuster gedrängt. Wo liegen die Ursachen hierfür? In Geschlechterbildern, die sich auch im Kunst- und Kulturverständnis fortsetzen? Welche Rolle spielen die Strukturen unserer Kulturinstitutionen? Welche das Management? Auf der anderen Seite können gerade künstlerische Ausdrucksformen Stereotype anprangern und Sensibilität für Geschlechterfragen stärken. Wie wird dieses Potenzial genutzt und wie wirkt es auf den Kulturbetrieb zurück?

Um Geschlechtergerechtigkeit und kulturelle Vielfalt zu stärken, so die UNESCO in ihrem Konzeptpapier „Kulturpolitik Neu/Gestalten 2020“, gilt es, „von einer Agenda des reinen Empowerments zu einer Agenda des tatsächlichen Wandels, also der Transformation, überzugehen“. Wie kommen wir in der Kulturbranche zum transformativen Handeln? Welche Veränderungen sind nötig, um eine größere Sichtbarkeit der weiblichen Arbeit und gleichen Zugang im Kulturbereich herzustellen? Wie ist die aktuelle Lage, international und in der EU? Was lässt sich aus anderen Ländern lernen?

Weitere Termine der Webtalk-Reihe (jeweils 15.30-17.30 Uhr)

9. Februar 2022: „So ein Theater! Diskussionen um Gleichstellung und Geschlecht aus der Generationenperspektive“ (N. N.)

9. März 2022: „Kulturpolitikerin in der EU: Herausforderungen“ (Dr. Helga Trüpel, Kulturpolitikerin); „Frauen in der Kulturpolitik“ (Podiumsdiskussion mit der Soziologieprofessorin Dr. Emília Barna, Dr. Cornelie Kunkat vom Deutschen Kulturrat und der Nürnberger Kulturbürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner)

13. April 2022: „Führen Frauen anders? Der Einfluss von Geschlecht, Generation und institutioneller Kultur auf Führung in Kulturbetrieben“ (Prof. Dr. Birgit Mandel, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim); „Gleichstellungskultur im Kulturreferat?“ (Jürgen Enninger, Kulturreferent Augsburg)

11. Mai 2022: „Cultural Policy Lab – how to do it“ (mit: Christina Stausberg, Deutscher Städtetag – Kulturreferat; Laura Lang, Art + Feminism Edit-a-thons; Modupe Laja, bildungspolitische Veranstaltungskuratorin)

8. Juni 2022: „Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint“ (Filmvorführung und Podiumsgespräch im Kino mit der Regisseurin Halina Dyrschka; kostenpflichtige Veranstaltung)

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